Wenn einer Gas gibt und der andere bremst – was Paare über ihr Lustsystem wissen sollten
- carolinemolitoris
- 20. Okt.
- 3 Min. Lesezeit

In vielen Beziehungen lässt sich ein wiederkehrendes Muster beobachten: Während eine Person Nähe sucht, Berührung initiiert oder sexuelle Verbindung wünscht, zieht sich die andere innerlich zurück, wendet sich ab oder wird plötzlich gedanklich abwesend. Nicht weil Liebe fehlt – sondern weil zwei unterschiedliche Nervensysteme aufeinanderprallen.
Sexuelle Erregung entsteht nicht nur durch Wunsch oder Willenskraft. Sie ist das Ergebnis eines feinen Zusammenspiels zweier innerer Systeme: einem „Gaspedal“, das Lust und Neugier aktiviert – und einer „Bremse“, die schützt, verlangsamt oder stoppt. Dieses Modell wurde von der Sexualwissenschaftlerin Emily Nagoski geprägt und hilft, viele Missverständnisse in Beziehungen einzuordnen.
Unser Lustsystem funktioniert wie ein Auto mit zwei Pedalen
Das Gaspedal (Erregungssystem) reagiert auf Dinge, die Lust machen: Berührung, Fantasie, Stimmung, Komplimente, visuelle oder emotionale Reize.
Die Bremse (Hemmsystem) reagiert auf alles, was Unsicherheit auslöst: Stress, Druck, Konflikte, Müdigkeit, Leistungsanspruch, Scham, Unsichtbarkeit, innere Schutzstrategien.
Viele denken: „Ich habe einfach weniger Lust.“ Doch viel häufiger ist nicht zu wenig Gas, sondern zu viel Bremse aktiv.
Wenn Paare in unterschiedlichen Modus leben
In manchen Beziehungen ist eine Person häufig mit dem Fuß auf dem Gaspedal – schnell offen für Nähe, Berührung oder sexuelle Verbindung. Die andere hingegen tritt unbewusst auf die Bremse – nicht aus Ablehnung, sondern weil der Körper noch nicht bereit ist, sich zu öffnen.“
Typische Dynamiken:
Beobachtung in der Beziehung | Mögliche innere Bremse |
Nähe-Angebote werden „übersehen“ | Angst, bedrängt zu werden |
Körperkontakt fühlt sich plötzlich „zu viel“ an | Nervensystem noch im Stressmodus |
Lust entsteht nur in bestimmten Situationen | Sicherheit braucht klare Rahmen |
Eine Person übernimmt ständig die Initiative | Unsicherheit über Erwünschtsein |
Nicht der Wunsch nach Verbindung ist das Problem – sondern das Tempo, in dem sich beide innerlich bewegen.
Fragen zur Selbstreflexion – einzeln und gemeinsam
Es braucht Mut, nicht nur auf das Verhalten des Gegenübers zu schauen, sondern das eigene Muster zu erkennen.
Was drückt auf mein Gaspedal?
Welche Momente, Worte oder Berührungen lassen mich innerlich aufblühen?
Wann fühle ich mich begehrt – wirklich gemeint?
Was aktiviert meine Bremse?
Welche Situationen lassen mich innerlich dicht machen – auch wenn ich „eigentlich“ offen sein möchte?
Gibt es Erwartungen (von mir oder vom anderen), die Druck erzeugen?
Und als Paar:
Wie oft treffen unsere Pedale sich – und wo laufen sie gegeneinander?
Kennen wir die Sprache des anderen Lustsystems – oder interpretieren wir sie als Zurückweisung?
Lust lässt sich nicht erzwingen – aber einladen
Paare, die beginnen, Gas und Bremse als gemeinsame Dynamik zu sehen statt als persönliches Versagen, verändern ihre Kommunikation:
Nicht mehr „Warum willst du nie?“, sondern👉 „Was bräuchtest du, um weich zu werden?“
Nicht mehr „Ich mache immer den ersten Schritt!“, sondern👉 „Wie können wir Nähe entstehen lassen, ohne dass einer antreibt und einer blockiert?“
Wenn ihr diese Reise nicht alleine gehen möchtet
Manchmal reicht Verständnis – manchmal braucht es einen geschützten Raum, in dem beide Seiten gehört werden dürfen, ohne Schuldzuweisung.
Ich, Caroline Molitoris, begleite in meiner Praxis für weibliche Gesundheit & Paartherapie Paare dabei, ihr Lustsystem zu entschlüsseln und neue Formen von Nähe zu entdecken – jenseits von Druck, Leistung oder Rückzug. Mit Achtsamkeit, Neugier und Respekt für das Tempo beider Nervensysteme.
Wenn ihr euch in diesen Zeilen wiederfindet, seid ihr herzlich willkommen, Kontakt aufzunehmen.
Caroline
Ich bin Heilpraktikerin und begleite Frauen und Paare in ein lustvolles und verbundenes Leben. Meine Schwerpunkten Paartherapie, körperorientierte Sexualtherapie, Frauengesundheit, Aufstellung und Breathwork.




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