top of page

Scham verstehen und verwandeln – Wie du heilsam mit einem oft tabuisierten Gefühl umgehen kannst

  • Autorenbild: carolinemolitoris
    carolinemolitoris
  • 7. Juli
  • 3 Min. Lesezeit


ree

Was ist Scham – und warum spüren wir sie überhaupt?

Scham ist ein zutiefst menschliches Gefühl. Sie entsteht, wenn wir das Gefühl haben, nicht gut genug, falsch oder „zu viel“ zu sein – in den Augen anderer oder auch in unseren eigenen. Scham signalisiert uns, dass wir in unserem Sein, Handeln oder Aussehen als „abweichend“ wahrgenommen werden könnten. Dieses Gefühl kann schmerzhaft und lähmend sein, hat aber ursprünglich eine wichtige Funktion: Sie schützt uns vor sozialem Ausschluss und hilft uns, uns in Gruppen einzugliedern.

Doch wenn Scham übermächtig wird, kann sie uns daran hindern, authentisch zu leben, Bedürfnisse auszudrücken oder Nähe zuzulassen.


Wann lernen wir Scham? – Der Ursprung in der Kindheit

Scham ist kein angeborenes Gefühl – sie wird gelernt. Bereits im Kleinkindalter beginnt das Schamempfinden, wenn wir zum ersten Mal erleben: „So, wie ich bin, bin ich nicht okay.“ Häufig entsteht dies durch:

  • abwertende oder beschämende Aussagen von Bezugspersonen

  • das Gefühl, mit den eigenen Bedürfnissen, Emotionen oder der Sexualität falsch zu sein

  • ein Mangel an Spiegelung oder liebevoller Begleitung in sensiblen Entwicklungsphasen

Scham kann sich tief in unser Nervensystem einschreiben – besonders, wenn sie wiederholt erlebt und nicht reguliert wird.


Wie fühlt sich Scham an? – Eine körperliche Spürübung

Scham zeigt sich nicht nur psychisch, sondern auch körperlich sehr deutlich. Typisch sind:

  • ein Zusammenziehen im Bauchraum oder Brustkorb

  • das Bedürfnis, sich zu verstecken oder zu fliehen

  • Hitzewallungen oder Erröten

  • gesenkter Blick, gebeugte Haltung, Enge im Hals


Spürübung: "Der Körper spricht Scham"

Nimm dir einen Moment der Ruhe.Setze dich bequem hin und spüre deinen Körper.Erinnere dich an eine Situation, in der du Scham gefühlt hast – ohne tief einzutauchen.

Wo spürst du die Scham im Körper?

Welche Körperhaltung nimmst du unbewusst ein?

Was verändert sich, wenn du bewusst atmest und dich selbst liebevoll anschaust?

Diese Übung kann dir helfen, Scham nicht nur mental, sondern auch körperlich wahrzunehmen und langsam zu entkoppeln.


In welchen Bereichen erleben wir Scham besonders stark?

Scham kann sich in vielen Lebensbereichen zeigen – oft subtil und unbewusst:

  • Körper & Sexualität: „Ich bin nicht schön genug. Ich fühle zu viel / zu wenig Lust.“

  • Mutterschaft & Weiblichkeit: „Ich bin keine gute Mutter / Frau.“

  • Emotionen & Bedürftigkeit: „Ich bin zu sensibel. Ich brauche zu viel.“

  • Fehler & Schwäche: „Ich darf keine Fehler machen. Ich muss stark sein.“

  • Partnerschaft & Intimität: „Ich darf nicht zeigen, wie verletzlich ich bin.“

  • Spiritualität oder Heilungsweg: „Ich bin komisch. Andere würden das nicht verstehen.“


Was kann ich tun, wenn ich Scham spüre?

  1. Anerkennen, dass Scham da ist

    Statt sie zu verdrängen oder zu verurteilen: „Ah, da ist Scham. Ich darf das fühlen.“

  2. Den Körper mit einbeziehe

    Über Bewegung, Atmung oder Berührung kann Scham abfließen – denn sie ist oft im Nervensystem gebunden.

  3. Sich sicher erleben

    Ein geschützter Raum, z. B. in therapeutischer Begleitung, ist heilsam. Auch Rituale oder Frauenkreise können ein sicherer Container sein.

  4. Innere Anteile verstehen lernen

    Oft meldet sich ein inneres Kind oder eine alte Schutzstrategie. Es lohnt sich, neugierig hinzuschauen: „Wer in mir fühlt sich gerade beschämt?“

  5. Liebevoller Blick auf die eigene Geschichte

    Scham ist meist erlernt. Sie darf hinterfragt, gehalten und transformiert werden.


Warum ist es wichtig, sich mit Scham auseinanderzusetzen?

Weil Scham uns klein hält. Sie trennt uns von unserer Lebendigkeit, Sinnlichkeit und Wahrheit.

Wer beginnt, Scham zu erforschen, öffnet den Raum für:

  • mehr Selbstmitgefühl

  • authentische Beziehungen

  • freieres Erleben von Sexualität

  • tieferes Vertrauen in den eigenen Körper

  • mutigere Entscheidungen im Leben

Scham ist oft der „Wächter vor der Tür“ zu unserer tiefsten Wahrheit. Wenn wir lernen, ihr mit Liebe zu begegnen, führt sie uns zu mehr Freiheit, Würde und innerem Frieden.


Reflexionsfragen für dich:

  • In welchen Momenten spürst du Scham – und was passiert dann in dir?

  • Welche Sätze oder Blicke haben dich in deiner Kindheit beschämt?

  • Wo in deinem Körper zeigt sich die Scham heute?

  • Wie würde es sich anfühlen, Scham nicht mehr vermeiden zu müssen?


Zum Schluss: Scham verwandeln heißt, sich selbst tiefer zu begegnen

Scham möchte gesehen, nicht überwunden werden. Sie will nicht "wegtherapiert", sondern gehalten werden – mit Mitgefühl, mit Körperpräsenz, mit einer tiefen Erlaubnis, menschlich zu sein. Wenn du beginnst, dich liebevoll deiner Scham zuzuwenden, kann daraus ein Tor zur Selbstannahme und sogar zur Heilung entstehen.

Möchtest du deine Scham in einem geschützten Raum erkunden und lösen?

In meiner Praxis begleite ich Frauen dabei, sich mit ihrer Lebendigkeit, Sinnlichkeit und Wahrheit zu verbinden – jenseits von Scham und Schuld.


Hier findest du auch eine Podcastfolge zum Thema Scham.


Caroline Molitoris, Heilpraktikerin mit den Schwerpunkten pflanzliche Frauengesundheit, Paartherapie, Sexualtherapie, , Aufstellung und Breathwork

 
 
 

3 Kommentare


Gast
27. Okt.

Es ist faszinierend, wie oft die Bedeutung einer präzisen Raumplanung unterschätzt wird, obwohl sie der Grundstein für jedes erfolgreiche Projekt ist. Oftmals sind die ersten Skizzen auf Papier zwar ein guter Start, aber die wahre Herausforderung beginnt, wenn man versucht, diese Ideen in eine realistische, maßstabsgetreue Darstellung zu überführen. Hier stellt sich dann schnell die Frage, wie man komplexe Grundrisse effizient und benutzerfreundlich visualisieren kann, ohne auf teure Software oder professionelle Designer angewiesen zu sein. Für alle, die genau vor dieser Herausforderung stehen, gibt es mittlerweile spannende Lösungen, die eine KI-gestützte Grundriss-Erstellung direkt im Browser ermöglichen.

Gefällt mir

Gast
23. Okt.

Dieser Beitrag ist erstklassig. Er hat mich daran erinnert, dass emotionale Intelligenz keine angeborene Eigenschaft ist, sondern eine Fähigkeit, die man trainieren und entwickeln kann. Der erste Schritt ist immer eine ehrliche Bestandsaufnahme. Ein psychologischer Test zum emotionalen Quotienten kann diese Bestandsaufnahme liefern und einem helfen, einen gezielten Entwicklungsplan für sich selbst zu erstellen.

Gefällt mir

Gast
15. Okt.

Ein großes Lob an den Autor für diesen gut recherchierten und klar formulierten Artikel. Es ist eine Freude, solch hochwertigen Content zu konsumieren. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Reife und mentalen Verfassung ist ein wichtiger Aspekt des Lebens. Es hat mich an die vielen verschiedenen Tools erinnert, die online zur Verfügung stehen, um mehr über sich zu erfahren. Ein besonders unterhaltsamer war ein quiz de maturidade. Es ist erstaunlich, wie einige einfache Fragen zum Nachdenken über die eigenen Gewohnheiten anregen können. Sehr zu empfehlen für eine kleine Pause.

Gefällt mir
bottom of page