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Wenn die eigene Stimme leise wird: Wie dein Nervensystem dich von dir entfernt – und wie du wieder deine Bedürfnisse spürst

  • Autorenbild: carolinemolitoris
    carolinemolitoris
  • 28. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Nervensystem regulation, Co regulation

Kennst du das Gefühl?

Du kommst nach Hause und bist erschöpft – obwohl der Tag eigentlich gar nicht außergewöhnlich anstrengend war.

Oder du bist mit Menschen zusammen gewesen und merkst plötzlich, dass du gereizt, traurig oder unruhig bist, ohne genau zu wissen, warum.

Vielleicht fragst du dich:

„Was ist eigentlich los mit mir?“„Warum spüre ich mich selbst nicht mehr?“„Warum weiß ich gar nicht mehr, was ich brauche?“


Viele Frauen erzählen mir in meiner Praxis genau davon.

Sie funktionieren. Sie kümmern sich. Sie halten den Alltag zusammen. Sie begleiten die Gefühle ihrer Kinder, ihres Partners, ihrer Familie oder ihres Umfelds.

Und irgendwann wird die eigene innere Stimme immer leiser.

Dabei liegt das häufig nicht daran, dass etwas mit ihnen nicht stimmt.

Vielmehr zeigt sich darin eine ganz natürliche Fähigkeit unseres Nervensystems: Es orientiert sich an unserer Umgebung und stellt Beziehung und Sicherheit oft an erste Stelle.


Unser Nervensystem lebt in Beziehung

Der Mensch ist ein Beziehungswesen.

Von Geburt an lernen wir Sicherheit nicht nur durch unsere eigenen Erfahrungen, sondern vor allem durch andere Menschen.

Ein Baby kann sich noch nicht alleine beruhigen. Es braucht ein Gegenüber, dessen Stimme, Blick, Berührung und ruhige Präsenz ihm helfen, Sicherheit zu erleben.

Dieses gegenseitige Regulieren wird als Co-Regulation bezeichnet.


Doch auch als Erwachsene funktioniert unser Nervensystem weiterhin auf diese Weise.

Es nimmt ständig Informationen aus unserer Umgebung wahr:

  • Gesichtsausdrücke

  • Körpersprache

  • Stimme und Tonfall

  • Bewegungen

  • Nähe und Distanz

  • Anspannung oder Entspannung anderer Menschen

Vieles davon passiert vollkommen unbewusst.


Der Neurowissenschaftler Stephen Porges beschreibt in seiner Polyvagal-Theorie, wie unser autonomes Nervensystem kontinuierlich bewertet, ob wir uns sicher oder bedroht fühlen. Diese unbewusste Einschätzung beeinflusst unsere Gefühle, unser Verhalten und unsere Fähigkeit, mit Stress umzugehen.


Warum wir Gefühle anderer Menschen übernehmen können

Vielleicht kennst du solche Situationen:

Jemand kommt gestresst in den Raum – und kurze Zeit später bist du selbst unruhig.

Oder du führst ein tiefes Gespräch mit einem Menschen, bei dem du dich sicher fühlst, und gehst danach entspannter und leichter nach Hause.

Unser Nervensystem ist darauf ausgerichtet, andere Menschen wahrzunehmen und auf sie zu reagieren.


Die Psychologie beschreibt dieses Phänomen unter anderem als emotionale Ansteckung. Wir übernehmen häufig unbewusst Stimmungen, Körpersignale und Verhaltensweisen unseres Umfelds.

Ein deutliches Beispiel dafür sind Menschenmengen.

Wenn Unsicherheit oder Panik entsteht, orientieren wir uns automatisch daran, wie andere reagieren. Diese Fähigkeit ist grundsätzlich sinnvoll, denn sie hilft uns, Gefahren schnell einzuschätzen.

Im Alltag passiert dies jedoch oft viel feiner.

Gerade Menschen, die sehr empathisch sind oder viel Verantwortung übernehmen, richten ihre Aufmerksamkeit häufig stark nach außen.


Warum besonders viele Frauen sich selbst nicht mehr spüren

Viele Frauen sind über Jahre darauf trainiert, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen.

Das Kind braucht etwas.

Der Partner möchte gesehen werden.

Im Beruf werden Erwartungen erfüllt.

Familie, Haushalt, Organisation und mentale Verantwortung laufen weiter.

Dazu kommen digitale Reize, Nachrichten und ständige Erreichbarkeit.

Das Nervensystem bekommt kaum Raum, nach innen zu lauschen.

Viele Frauen sagen dann:

„Ich weiß gar nicht mehr, was mir eigentlich Freude macht.“

„Ich merke meine Bedürfnisse erst, wenn ich völlig erschöpft bin.“

„Ich funktioniere nur noch.“

Der Weg zurück beginnt häufig nicht mit noch mehr Selbstoptimierung.

Sondern mit der Fähigkeit, sich selbst wieder wahrzunehmen.


Sich selbst wieder spüren lernen

Unser Körper kommuniziert ständig mit uns.

Über:

  • Atmung

  • Herzschlag

  • Muskelspannung

  • Wärme oder Kälte

  • Enge oder Weite

  • Unruhe oder Ruhe

Diese körperlichen Signale geben uns wichtige Informationen darüber, wie es uns wirklich geht.

Doch im stressigen Alltag verlieren viele Menschen den Kontakt zu diesen feinen Signalen.

Dabei ist genau diese Körperwahrnehmung die Grundlage dafür, eigene Bedürfnisse wieder zu erkennen.

Nicht jede innere Unruhe bedeutet, dass etwas falsch ist.

Manchmal braucht dein Nervensystem einfach weniger äußere Reize und mehr Raum für dich.


Alleinsein als Weg zurück zu dir

Eine Frage, die ich meinen Klientinnen häufig stelle:

Wann bist du eigentlich wirklich nur mit dir?

Nicht am Handy.

Nicht im Gespräch.

Nicht beim Organisieren.

Einfach nur mit dir.

Alleinsein bedeutet nicht automatisch Einsamkeit.

Es kann ein wertvoller Raum sein, in dem dein Nervensystem wieder unterscheiden lernt:

Was gehört zu mir?

Was habe ich vielleicht von anderen übernommen?

Was brauche ich wirklich?


Was dein Nervensystem unterstützen kann

Es müssen keine großen Veränderungen sein.

Oft beginnen die wichtigsten Schritte mit kleinen Momenten im Alltag:

  • einen Spaziergang ohne Handy machen

  • bewusst eine Tasse Tee trinken

  • den eigenen Atem wahrnehmen

  • barfuß die Natur spüren

  • Musik hören und den Körper bewegen

  • dich fragen: „Was brauche ich gerade?“

  • wahrnehmen: Wo fühlt es sich eng an? Wo weit?

Diese kleinen Übungen stärken deine Selbstwahrnehmung und helfen deinem Nervensystem, wieder mehr Sicherheit und Balance zu finden.


Wenn Nach-innen-Spüren zu intensiv wird

Für manche Menschen fühlt sich der Kontakt mit den eigenen Gefühlen zunächst nicht angenehm an.

Vielleicht tauchen Traurigkeit, innere Unruhe, Leere oder alte Gefühle auf.

Dann kann es hilfreich sein, diesen Weg nicht alleine zu gehen.

Ein sicheres Gegenüber kann helfen, neue Erfahrungen von Sicherheit zu machen.

Auch das ist Co-Regulation.

In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, wie kraftvoll es sein kann, wenn Frauen erfahren:

„Ich muss meine Gefühle nicht alleine tragen.“

Mit körperorientierter Begleitung, Atemarbeit, achtsamer Körperwahrnehmung und traumasensiblem Arbeiten entsteht Schritt für Schritt wieder mehr Vertrauen in den eigenen Körper.

Nicht, weil schwierige Gefühle verschwinden.

Sondern weil wir lernen, mit ihnen zu sein.


Der Weg zurück zu dir

Ich glaube nicht, dass wir uns wirklich verlieren.

Ich glaube, dass unser Nervensystem manchmal so sehr damit beschäftigt ist, auf unsere Umgebung zu reagieren, dass unsere eigene innere Stimme kaum noch hörbar ist.

Wenn wir lernen innezuhalten, unseren Körper wieder wahrzunehmen und unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen, entsteht etwas sehr Wertvolles:

Wir können wieder unterscheiden:

Was ist meins?

Was gehört zu anderen?

Was brauche ich wirklich?

Und genau dort beginnt oft mehr Lebendigkeit.

Mehr Verbindung.

Mehr Ruhe.

Nicht nur mit anderen Menschen.

Sondern zuerst mit uns selbst.


Begleitung für Frauen, die wieder bei sich ankommen möchten

Du hast das Gefühl, dich selbst kaum noch zu spüren?

In meiner Praxis begleite ich Frauen und Paare dabei, wieder einen sicheren Kontakt zu ihrem Körper, ihren Bedürfnissen und ihrer Lebendigkeit aufzubauen.

Mit körperorientierter Therapie, Atemarbeit, Sexualberatung und traumasensibler Begleitung entsteht ein Raum, in dem dein Nervensystem zur Ruhe kommen und du dich selbst wieder besser wahrnehmen kannst.

Ich freue mich darauf, dich kennenzulernen.


Vereinbare gern ein persönliches Gespräch – vor Ort in Hamburg oder online






Über mich

Ich bin Caroline Molitoris (Heilpraktikerin). Ich begleite Frauen und Paare in Entwicklungs- und Übergangsphasen.


Meine Schwerpunkte sind:

In meiner Arbeit verbinde ich Embodiment, traumasensible Nervensystemregulation und systemische Ansätze, um nachhaltige Veränderungsprozesse auf körperlicher, emotionaler und Beziehungsebene zu begleiten.


 
 
 

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